MODEL ANGELINA KIRSCH

Sie ist eines der erfolgreichen Plus-Size-Models in Deutschland. Ihre Mission: Den Frauen dieser Welt die Schönheit von Kurven näherzubringen. Ob Mailand, Madrid oder London - die selbstbewusste 26-jährige ist schon für verschiedene Designer über den Catwalk gelaufen oder hat vor der Kamera namhafter Fotografen posiert. Ich habe mit Angelina über ihre Erfahrungen als Plus-Size-Model und die Entwicklung des Model-Business gesprochen.


- EINE JUNGE FRAU,

DIE IHRE KURVEN PERFEKT IN SZENE SETZT.  

Plus-Size Models sind mittlerweile immer gefragter –  Du hast großen Erfolg, bist schon in Mailand oder Madrid über den Catwalk gelaufen, hattest Shootings in Barcelona und London. Wie stolz bist Du als Plus-Size Model darauf? Siehst Du Dich  als Vorbild für junge Frauen?

Ich freue mich natürlich sehr, dass ich diese Chance bekommen habe, und den Mädels und Frauen da draußen eine Inspiration und Motivation sein kann, ihren Körper zu lieben und zu akzeptieren, mit Kurven - so wie er ist. Ich denke, dass ich so mit dazu beitragen kann, das Schönheitsideal auf eine gesündere und realistischere Schiene zu bringen.

 

Inwiefern verändert der Trend „Plus-Size“ Deiner Meinung nach die Modewelt und das Bild der Frauen?

Ich denke, dass viele Frauen aufatmen und glücklich darüber sind, dass sie jetzt auch „offiziell“ so sein dürfen, wie sie sind und das auch modisch unterstreichen können. Denn die Durchschnittsgröße der Frauen in Deutschland ist nun mal die 40/42 oder größer. Und das haben jetzt auch die Labels und Designer verstanden. Sie entwerfen immer mehr großartige Mode für großartige Frauen.

 

Die Entwicklung  der Modelwelt, hinsichtlich der Plus-Size Models, ist schnell. Wo siehst Du die Mode-Szene in 3 Jahren? Glaubst Du Plus-Size wird sich auch zukünftig durchsetzen? Was muss sich aus Deiner Sicht noch verändern?

Ich würde es mir wünschen, dass sich dieser Trend durchsetzt, und dass die kurvigen Models einen festen Platz in der Branche kriegen. Momentan werden Curvies größtenteils als Sexbomben gezeigt, was sicher viel für das Selbstwertgefühl der Frauen tut, aber ich denke, dass auch modischere Aufnahmen gut mit Curvy-Models gemacht werden können und sollten, damit sich diese Sparte fester in der Modebranche etablieren kann und selbstverständlicher wird. Aber ich denke, dass es möglich ist. Ein Blick über den großen Teich zeigt, dass in Amerika ja schon ein großer Schritt in diese Richtung gemacht wurde. Dort gibt es schon einige Plus-Size- Supermodels. Ich würde mir das auch für Deutschland wünschen.

 

Wie bist Du zum Modeln gekommen? 

Wo wurdest Du entdeckt?

Ich wurde, ganz wie im Märchen, im Urlaub in Rom von Jan-Eric Lütjen, dem Chef der Agentur PLACE Models in Hamburg, angesprochen. Zunächst wollte ich nicht mit ihm zusammenarbeiten, da ich dachte, er würde mir einen Job als reguläres Model anbieten und dafür hätte ich ja abnehmen müssen. Da ich das aber nicht wollte, habe ich mich erst sehr spät dazu überreden lassen, in die Agentur zu kommen. Da hat Jan-Eric mich dann aufgeklärt und dann konnte es auch schon losgehen.

 

Wie sieht bei Dir ein durchschnittlicher Tag aus?

Morgens stehe ich meistens früh auf. Wenn ich einen Job habe, dann kann ich entspannt starten, denn ich muss mich nicht schminken oder frisieren ... das wird ja alles für mich gemacht. Also geht’s dann zum Set und in die Maske. Dort werde ich dann erstmal schön gemacht und dann geht’s zum Umziehen. Und wenn ich dann fertig gestylt und geschminkt bin, geht’s ins Set, und der Job beginnt. Was viele nicht wissen ist, dass ein Model viel Geduld mitbringen muss, denn ein großer Teil des Jobs besteht aus Warten. Warten bis das Licht aufgebaut ist oder der Hintergrund des Sets, warten, dass die Kleidung festgelegt ist, die angezogen wird. Warten, bis der Fotograf Zeit hat oder einfach, bis alles bereit ist. Aber das ist in Ordnung, das gehört halt dazu.

 

Wie reagieren andere, sei es Deine Familie, Freunde oder auch Fremde auf Deine Karriere? Ist das Feedback positiv oder negativ?

Die meisten Leute aus meinem Umfeld sind sehr stolz und finden es toll, dass ich diese Chance habe, sie so gut ausfülle und nutze. Es gab bisher eigentlich nur eine Person aus meinem Freundeskreis, bei der ich tatsächlich den Neid gespürt habe. Da fielen dann Sätze wie: „Du bist nichts Besonderes, ich habe noch nie ein fettes Supermodel gesehen!“ Aber die überwiegenden Reaktionen sind äußerst positiv, weil die Frauen durchatmen und sich freuen, dass dieser Trend immer größer wird und viele Männer sich freuen, dass sie „echte“ Frauen zu sehen kriegen.

 

Was sollten Plus-Size-Models beim Styling und der Outfitwahl beachten? Was steht kurvigen Frauen besonders gut?

Das Wichtigste ist, dass man sich selbst gefällt. Das ist das A und O. Und wenn man sich mit seinen Kurven noch unsicher ist, dann kann man sie mit körperumschmeichelnder Mode kaschieren. Und wer mutig sein möchte und seine Kurven gern zeigt, der darf natürlich auch zu engeren Schnitten greifen, wie zum Bleistiftrock oder zum Jumpsuit. Da gibt es keine Grenzen!

 

Was ist Dein Fashion-Favorit?

Ich selbst liebe meine Kurven und ich liebe Mode. Daher probiere ich viele Trends aus und style sie so, dass sie meine Kurven schön zeigen. Ich liebe meine Kleider und den Trend der kaputten Jeans. Ich bin süchtig nach jeder Art von Jacken...nicht Schuhe, sondern Jacken! Da dürfen es auch gerne mal kürzere Modelle sein, die meinen knackigen Po schön in Szene setzen. Ich kann mich da nur schwer festlegen, weil ich Mode liebe und finde, dass man mit ihr so vieles ausdrücken kann. Und so vielseitig ich bin, so vielseitig ist auch die Mode, die ich trage.

 

Wenn Du einen Wunsch frei hättest, würdest Du Deinen Körper verändern oder fühlst Du Dich 100 Prozent wohl in Deiner Haut? Gibt es etwas, dass Du jungen Plus-Size-Mädels mitgeben möchtest?

Ich fühle mich toll und will nichts verändern an mir. Und das ist nicht nur dahergesagt. Das bemerken Kunden und auch viele andere, die mich sehen. Das macht mich authentisch und nur so kann man den Job auch richtig machen. Wenn man sich in seiner Haut wohlfühlt und sich selbst schön findet, dann strahlt man das auch aus. Dann werden die Bilder auch toll und die Botschaft wird auch von allen positiv angenommen. Das ist übrigens auch mein Tipp an alle Curvy-Frauen, die noch unsicher bezüglich ihrer Kurven sind: Wenn Ihr Euch schön fühlt, dann strahlt Ihr das aus und dann finden Euch alle, die Euch begegnen, auch schön!

 

Was muss sich in der Mode-Industrie aus Deiner Sicht noch ändern? 

Momentan ist es häufig noch so, dass kurvige Modelle als eine Besonderheit gesehen werden. Durch die Art, wie ein Model mit Po und Brust als besonders dargestellt wird, erscheint es als unmöglich, für die Curvies tatsächlich ernst genommen zu werden. Solange der Markt sich nicht öffnet, und die kurvigen Frauen weiterhin auf die Sexy-Schiene schiebt, wird es ein Wunschtraum bleiben, eine kurvige Frau auf einem Hochglanzcover zu sehen, ohne dass es wie eine Art Sonderbehandlung oder gar Zirkusnummer wirkt. Auf Modenschauen werden sie als besonderes Element meist am Ende oder nur vereinzelt unter vielen Dünnen gezeigt. Da kommt man sich schnell wie eine Zirkusattraktion vor. Dabei sind Kurven bei Frauen total normal, und das muss auch in der Industrie endlich erkannt werden. Warum dürfen kurvige Frauen keine Beauty-Kampagnen machen? Warum werden sie nicht in coolen Fashion Magazinen gezeigt? Die Branche muss mehr Selbstverständlichkeit für Curvy Models aufbringen und sie mehr mit den Dünnen mischen, um diese Selbstverständlichkeit auch für das Schönheitsideal zu festigen!

 

Der Magertrend ist bekanntlich sehr gefährlich. Besonders junge Mädchen sind gefährdet und lassen sich schnell von dem dünnen Idealbild der Mode-Industrie beeinflussen. Ist den Designern und der Industrie das "egal" oder einfach nicht bewusst?

Diese Tatsache wird den Großen der Branche auf jeden Fall bekannt sein, dennoch sind gewisse Maße gefragt. Ich denke, dass das Ganze als Gegebenheit abgetan wird, die mit diesem Job einfach einhergehen. So wie ein Fitnesstrainer extrem sportlich sein soll, müssen Models in deren Augen eben auch so dünn sein. Es gibt ja auch Mädchen, die von "Natur" aus und ohne Anstrengung diese Maße halten können, aber die meisten quälen sich, um diesen Vorgaben entsprechen zu können.

 

Dankeschön für das Interview liebe Angelina!

Das Interview führte: Michelle Hamacher

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Informationen über PluSize-Model Angelina Kirsch: www.instagram.com/angelina.kirsch/

 


 

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